![]() |
Die Geschichte kennt kein Erbarmen. Das, was man heute ist, kann man nur mit Geduld aufbauen | ![]() |
Am 11. November 1927, befand sich Tullio Campagnolo ganz alleine an den ersten Steilstrecken des Croce d'Aune und ohne den Mut zu verlieren wollte er einfach nicht aufgeben. Auch heute, wo wir auf eine Vielzahl von Freunden, Fans und überzeugten Anhängern von Campagnolo®-Produkten als Begleiter auf unserem Weg zählen dürfen, streben wir unaufhaltsam weiter und stehen nie still. So möchten wir gerade von jenem Bild aus den Anfängen des Jahrhunderts ausgehen, um in Gedanken unsere Unternehmensgeschichte, d.h. die Etappen des Aufstiegs in der entfernteren und jüngeren Vergangenheit an uns vorbeiziehen zu lassen.![]() |
Eine alternative Idee
Vor achtzig Jahren, im Jahre 1933, wurde die Fa. Campagnolo gegründet. Doch bald reicht die Idee des Schnellspanners für den jungen Campagnolo nicht mehr aus: Warum eigentlich nicht das gesamte Schaltwerk neu konstruieren?
So hält die berühmte "Gestängeschaltung" ihren Einzug und wird zum Ausgangspunkt für eine ganz bestimmte Denkrichtung: Schluss mit Kettenspannern und Umlenkrollen. Der von Campagnolo eingeschlagene Weg ist absolut innovativ: Keine Umlenkrollen mehr verwenden, heißt den Reibungswiderstand verringern und das System unempfindlich für Schmutz und Schlamm machen. Die Marke Campagnolo® beginnt, ihren Ruf als Unternehmen für besonders sorgfältige und präzise Verarbeitung zu konsolidieren.
Der Beitrag der Rennfahrer
Die Gestängeschaltung wird zur Version Corsa 1001 entwickelt, mit der Gino Bartali 1948 die Tour de France gewinnt, und dann noch weiter zur Version Paris-Roubaix 1002, die 1950 diesen Namen zu Ehren von Fausto Coppi für seinen Sieg im gleichnamigen Rennen erhält.
n jenen Jahren verwenden auch Bianchi und Legnano als Teams von Bartali und Coppi Komponenten von Campagnolo®. Doch die Technik des Schaltwerks ist nun an einer Wende angelangt: Gran Sport 1012 feiert 1950 als erstes Parallelogrammschaltwerk sein Debüt. Es legt damit den Standard fest, an dem sich schon bald danach alle Hersteller orientieren.
Die „Gruppe“ entsteht
Die zweite Hälfte der Fünfzigerjahre wird durch die Einführung der RecordTM-Gruppe geprägt, die von einer Reihe neuer Komponenten wie Sattelstütze, Steuersatz, Pedale und Kettenradgarnitur begleitet wird. Während die Hersteller jener Jahre im allgemeinen Produkte verschiedener Marken verwenden, geht Campagnolo eigene Wege und bietet ein Programm von Komponenten an, die alle vom gleichen Hersteller produziert und für optimales Zusammenspiel entwickelt werden. So entsteht der Begriff der „Gruppe“.

Immer wieder innovativ
Ende der Fünfzigerjahre findet Campagnolo® Eingang in den Motorsportbereic.
Das neue Werk in Bologna produziert superleichte Räder für Autos und Motorräder aus der Magnesiumlegierung Elektron. Diese werden in wenigen Jahren zur beliebten Ausstattung für englische Sportwagen sowie für italienische, amerikanische und deutsche Autos in Sonderausführungen.
Campagnolo® ist das erste Unternehmen weltweit, das die Technik des Sandgussverfahrens für Magnesium anwendet und damit die Verwendung dieses Materials revolutioniert.
Technologie aus der Raumfahrtindustrie
Sogar die NASA bedient sich dieser Fertigungstechnik, werden doch für die Fertigung der Chassis aus der Legierung Elektron des 1969 gestarteten Satelliten OSO 6 die Gussverfahren von Campagnolo® verwendet.
Für dieses Engagement erhält Campagnolo einige Jahre später den „Design and Application Award“ von der International Magnesium Association zugesprochen.
Der 50. Geburtstag
1983. Campagnolo kann seinen 50. Geburtstag feiern: 50 Jahre reich an Siegen bei Radrennen, vor allem aber auf technischem Gebiet.
Anlässlich eines so bedeutenden Ereignisses stellt Campagnolo in Sonderausgabe die Gruppo del Cinquantenario (Gruppe zum Fünfzigsten) her: eine exklusive Markengruppe in limitierter, nummerierter Auflage für alle leidenschaftlichen Radsportler, für die der Radsport eine sportliche Betätigung, aber auch ein Lebensstil ist.
Ghibli M23TM
Im Jahre 1986 wird das Produktangebot von Campagnolo durch die Ankunft des ersten Scheibenrads, des Ghibli M23, erweitert. Es wird in zwei verschiedenen Modellen für den Straßeneinsatz und für die Bahn ausgeführt.
Die ShamalTM-Ära
Zwischen den Radsport-Champions und Campagnolo® hat sich immer eine sehr enge und lebendige Verbindung erhalten.
1994 gewinnt Eugeni Berzin den Giro d’Italia und Miguel Indurain die Tour de France, beide verwenden das Laufrad ShamalTM, das den Begriff vom Laufrad total revolutioniert.
Performance und Werkstoffe
Und schon kommen wir zu den Jahren der Karbon-Faser. Campagnolo® wählt den eher unbequemen Weg und entwickelt Teile aus Verbundwerkstoffen: Statt die Produktion nach außen zu verlegen, beschließt Campagnolo®, sich das entsprechende Know-how in das eigene Unternehmen zu holen. Dies erweist sich als erfolgreicher Schachzug, der es erlaubt, die Komponenten in modernerer und noch leistungsfähigerer Form neu zu konstruieren. 1999 kommen die viel bewunderten ErgopowerTM Brems-Schalthebel aus Karbon auf den Markt.
Gegenwart und Zukunft
2003 erfährt die Produktion von Karbonbauteilen eine weitere Bereicherung: Die Karbon-Kettenradgarnituren der RecordTM Gruppe kommen auf den Markt und im Jahr darauf das HyperonTM-Laufrad für Drahtreifen, das einschließlich Naben ganz aus Karbonfaser in Schalenbauweise gefertigt ist.
Beim Rennen um die Anzahl schaltbarer Übersetzungen hat Campagnolo die Nase immer ganz vorne: Von Campagnolo® stammt schließlich das erste 10-Speed Antriebssystem für die Gruppen RecordTM und ChorusTM.
Und damit haben wir auch schon fast die Gegenwart erreicht. Man experimentiert mit verschiedenen neuen Einspeichmustern: Die G3-Geometrie entsteht. 2006 wird das klassische konische ISO-Vierkantsystem durch Ultra TorqueTM als neuen Standard abgelöst. Diese neue Kettenradgarnitur ragt seitlich deutlich weniger vom Fahrradrahmen hervor, da sich die Verbindung der beiden Teile jetzt in der Achsmitte befindet.
Im Jahre 2008 führte Campagnolo zum ersten Mal in der Geschichte eine 11-Gang-Schaltung in die Radsportwelt ein, ein ehrgeiziges Projekt, das dem begeisterten Radsportler einen Gang mehr zur Verfügung stellte, um es mit allen Strecken, auch mit den härtesten Steigungen, aufnehmen zu können.
Über die 11-Speed-Gruppen hinaus dringt Campagnolo auch in den Tubeless-Bereich vor, erlaubt jedoch eine weniger endgültige Entscheidung, denn bei den 2-Way Fit Rädern mit ihrem innovativen Felgenprofil können auf demselben Rad sowohl Tubeless- als auch klassische Drahtreifen montiert werden.
2011 schreibt die Fa. Campagnolo durch die Markteinführung des elektronischen Antriebssystems EPS ein grundlegendes Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte. Dabei handelt es sich mit Sicherheit um einen Meilenstein für die Zukunft des Unternehmens und die des Fahrrads. Es ist die Krönung einer Idee, die zwanzig Jahre zuvor entstanden war und dann mit der Hartnäckigkeit und dem Ehrgeiz, die immer schon typisch für dieses Unternehmen waren, verfolgt, ausgearbeitet und schließlich perfektioniert wurde.
Das Jahr 2013 wird wieder ein wichtiges Datum für den Betrieb darstellen, denn das achtzigjährige Jubiläum seiner Gründung und der dreißigste Jahrestag des Todes seines Gründers sind ein erneuter Ansporn, weiterhin mit Stolz ein Vorbild und ein Vorzeigemodell des italienischen Unternehmertums auf der Welt zu sein.